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Algenernte nachhaltig gestalten

Algenernte

oceanBASIS ist schon seit 23 Jahren Vorreiter, wenn es um die umweltschonende Nutzung von Meeresressourcen geht. Mit der ersten Algenfarm Deutschlands hat das Kieler Unternehmen dabei Standards in der Nachhaltigkeit gesetzt. Doch wie sieht es mit der Wildernte von Algen aus? Ist das auch nachhaltig? Und wenn ja, auf was müssen wir achten, um die Meeresumwelt nicht zu überlasten?

Schluss mit der Ausbeutung der Meere!

Die Entwicklung von Algenextrakten war der Grundstein für die Naturkosmetik Oceanwell, in der vorwiegend ein Extrakt des Zuckertangs, der Braunalge Saccharina latissima, als Wirkstoff eingesetzt wird. Der Rohstoff, die Algen, kommt dafür heute aus nachhaltiger Kultivierung von der Küste Norwegens (Seaweed Solutions). Weitere Wirkstoff-Extrakte auf der Grundlage von Algen sind bereits entwickelt oder befinden sich gerade in der Entwicklung bei oceanBASIS. Es ist die Vielfalt der Algen und ihr Wirkstoffreichtum, die diese faszinierenden Organismen so interessant für eine Nutzung für Hautpflege, Nahrung oder Medizin macht. Wir verstehen uns dabei als achtsamer Vermittler dieser enormen Potenziale.

Doch je mehr Extrakte und Produkte in unserer Innovationsschmiede entwickelt und vermarktet werden, desto mehr machen wir uns Gedanken, wie man die Verfügbarkeit im natürlichen Gleichgewicht sicherstellt.

Ein Beispiel für diesen wichtigen Aspekt der Entwicklung neuer Algenprodukte ist die Wildernte des in unseren Regionen weit verbreiteten Blasentangs (Fucus vesiculosus). Wir sehen diese Algen in großer Dichte vor allem an der Ostseeküste wachsen.

Lebensraum Blasentang

Blasentang in der Ostsee

In der Vergangenheit stand es aber schlecht um das Fucus-Biotop. Besonders in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war das typische Biotop, das so vielen Klein- und Kleinstorganismen Unterschlupf und Nahrung bietet, wegen der zunehmenden Eutrophierung und Trübung des Wassers fast ganz verschwunden. Mehr als berechtigt also, dass das Biotop in Deutschland damals auf der Roten Liste gefährdeter Biotope landete und heute immer noch dort gelistet ist. Daher ist eine Nutzung trotz der sichtbaren Erhohlung der Bestände in Deutschland nicht möglich.

Das Nachbarland Dänemark ist einen anderen Weg als den absoluten Schutz gegangen und hat den Schutz des betreffenden Biotops flexibel gehalten. Doch dazu weiter unten mehr…

Was zeichnet ein nachhaltige Algenernte aus?

Die nachhaltige Makroalgen-Ernte ist ein komplexes, aber dennoch faszinierendes Thema, das in den letzten Jahren aufgrund der steigenden Nachfrage nach Algenprodukten zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit basiert und das Ziel verfolgt, sowohl die Umwelt als auch die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, zu schützen und zu verbessern.

Das SDG (Sustainable Development Goal) Nr. 14 der UN. Dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung des wichtigsten Lebensraums der Erde ist dieses Nachhaltigkeitsziel gewidmet.

Zunächst einmal zeichnet sich eine nachhaltige Makroalgen-Ernte durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen aus. Die Algen, die geerntet werden, spielen eine entscheidende Rolle für das ökologische Gleichgewicht unserer Meere. Sie stellen nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle für viele Meeresbewohner dar, sondern dienen auch als natürliche Filter für das Meerwasser und tragen zur Bindung von CO2 bei. Eine nachhaltige Makroalgen-Ernte muss daher sicherstellen, dass diese wichtigen Funktionen nicht beeinträchtigt werden. Das bedeutet konkret, dass die Algenbestände schonend und in einem Umfang geerntet werden, der ihren natürlichen Regenerationsprozess nicht überfordert. Es muss ein Gleichgewicht zwischen der Nutzung und der Erhaltung dieser Ressource gefunden werden. Gleichzeitig muss die Ernte so organisiert sein, dass sie die Lebensräume anderer Meeresbewohner nicht zerstört oder beeinträchtigt.

Ein weiterer Aspekt, der eine nachhaltige Makroalgen-Ernte auszeichnet, ist die soziale Verantwortung. Die Menschen, die in diesem Bereich tätig sind, müssen faire Arbeitsbedingungen vorfinden. Das bedeutet unter anderem, dass sie angemessen entlohnt werden und dass ihre Arbeitssicherheit und -gesundheit gewährleistet ist. Darüber hinaus sollte die Makroalgen-Ernte dazu beitragen, lokale Gemeinschaften zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Schließlich ist auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor. Eine nachhaltige Makroalgen-Ernte sollte nicht nur ökologisch verträglich und sozial gerecht sein, sondern auch langfristig wirtschaftlich tragfähig. Das bedeutet, dass die Ernte und Verarbeitung der Algen auf effiziente Weise organisiert sein muss, die es ermöglicht, qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen und gleichzeitig die Kosten im Griff zu behalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine nachhaltige Makroalgen-Ernte eine Vielzahl von Aspekten berücksichtigt. Sie basiert auf einem tiefen Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge im Meer, auf sozialer Verantwortung und auf soliden wirtschaftlichen Prinzipien. Sie verbindet auf diese Weise den Schutz unserer natürlichen Ressourcen mit dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlichem Erfolg.

Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit

Was heißt das für die Ernte des Rohstoffs Blasentang, den oceanBASIS für seine Produkte verwendet? – Unsere nachhaltige Algenernte ist in der Praxis aus folgenden Mosaiksteinen zusammengesetzt:

Umweltforschung

Um zu beurteilen, ob unser Handeln auch wirklich nachhaltig ist, ist es maßgeblich, Daten und Informationen zu erheben. Dazu gehört auch die Umweltforschung. Das Schwesterunternehmen von oceanBASIS, CRM – Coastal Research & Management, forscht seit 30 Jahren an meeresökologischen Themen. Bei Studien und Gutachten in den regionalen Küsten- und Meeresgebieten spielt der Blasentang dabei häufig eine große Rolle. CRM ist am Schleswig-Holsteinischen Fucus-Monitoring-Projekt im Auftrag des Landesamtes für Umwelt beteiligt. Heute ist das Fucus-Biotop auf dem „Weg zur Besserung“, aber die Überdüngung mit Stickstoff aus den sogenannten Einleitern, aber auch aus der Luft, übt immer noch einen großen Umweltstress auf die Großalgenbestände aus.

Blick über und unter die Wasseroberfläche

So sieht der Blickwinkel einer Kamera aus, wenn sie beim Ernten in Kniehöhe angebracht wäre

Umweltüberwachung (Monitoring)

Das Erntegebiet liegt überwiegend in der Begtrup Bucht östlich von Aarhus, im und an den Nationalpark Molsbjerge angrenzend. Die zuständige Kommune hat dem dänischen Kooperationspartner von oceanBASIS (s.u.) eine Fläche verpachtet und die Nutzung von Algen unter der Voraussetzung gestattet, dass eine jährliche Kontrolle sowie Dokumentation der Algenbestände und der Umweltbedingungen erfolgt.

Eine obligatorische „Selbstüberwachung für die ökologische Algenernte im Küstensystem Begtrup Vig-Dragsmur“ erfolgt zusätzlich zum Zeitpunkt der Ernte. Das Dokument muss alle relevanten Informationen über die Ernte enthalten, inklusive Umweltdaten und eingesetztes Erntematerial und -personal. Voraussetzung für den Lizenzerhalt: Es dürfen nicht mehr als 10% der Algenbestände pro Jahr in 1-2 wechselnden von insgesamt 5 Feldern geerntet werden. Das bedeutet, dass durchschnittlich nur alle drei Jahre dasselbe bzw. dieselben Felder bewirtschaftet werden oder anders ausgedrückt: Die Algen haben drei Jahre Zeit nachzuwachsen, sich zu vermehren und auszubreiten.

Meeresmenschen bewirtschaften ihre Küste

Die algenbegeisterte Architektin Mette hat mit ihrem kleinen, mittlerweile von ihrem Sohn geführten Unternehmen „Organic Seaweed“ eine Pionierleistung vollbracht. Sie hat die ökologische Nutzung einer Meeresfläche vor der Ostseeküste geplant und von der zuständigen Kommune eine Lizenz für eine ökologische Algenernte bekommen.

Anders als in Deutschland darf die Küste in Dänemark wasserseitig nach Absprache mit den Behörden von den Menschen genutzt werden, einschließlich der Entnahme von Blasentang unter kontrollierten Bedingungen (s.o.). Das hat zur Folge, dass die Menschen vor Ort näher an die Meeresumwelt gebracht werden. Dadurch kommen die Küstenbewohner erst in die Lage die Meeresressourcen wertzuschätzen, zu pflegen und ein Bewusstsein über deren nachhaltige Nutzung zu entwickeln. In Dänemark ist deshalb das Konzept des „Ocean Gardening“ sehr erfolgreich. Jede*r darf zum Eigengebrauch Algen, Muscheln oder andere Meeresorganismen nachhaltig kultivieren und ernten.

Ziel von Mette und ihrem kleinen Unternehmen ist es, die Vielfalt und die reichliche Biomasse an Algen einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung zuzuführen. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln – Algen enthalten bekanntlich wertvolle Nähr- und Ballaststoffe – werden die Algen von befreundeten Künstlern auch zur Herstellung von Kunst- und Designergegenständen verwendet, z.B. Lampenschirme. Was wir bei oceanBASIS aus den ökologisch zertifizierten Algen machen, wird weiter unten verraten.

Der verantwortungsvolle Erntevorgang

Einmal im Jahr fahren 3-4 Mitarbeiter von oceanBASIS für 1-2 Tage in die Begtrup Bucht und ernten in Wathose und per Hand Blasentang (Fucus vesiculosus) in einer Wassertiefe von bis zu 80 cm.

Der Zeitpunkt:
Eine nachhaltige Ernte berücksichtigt den optimalen Zeitpunkt für die Ernte. Wir ernten gern im Herbst, denn dann ist die Wassertemperatur nicht ganz so eisig wie im Frühjahr und die meisten dort lebenden Wasserorganismen haben ihr Wachstum und/oder ihre Fortpflanzung im Laufe des Sommers „erledigt“. Auch die im Frühjahr und Sommer gewachsenen Pflanzenteile sind noch nicht so stark von Seepocken oder anderem Aufwuchs übersät.

Manuelle Ernte von Fucus

Schere, Wathose und schwimmender Erntekorb

Die Erntemethode:
Die Ernte wird komplett manuell durchgeführt und die Algen einzeln selektiert. Die Erntemethode besteht in einem partiellen Abschneiden der oberen Hälfte einzelner Fucus-Büschel. Bei sehr dichten Beständen werden auch ganze Algen bis max. 10% der bewachsenen Fläche geerntet. Die geernteten Algen oder Algenstücke werden im Ostseewasser gespült und in den Erntekorb gelegt. Vorsichtig bewegt sich das geschulte Erntepersonal entlang unbewachsener Flächen. Dies verringert das Risiko von Schäden an den Algen oder dem umgebenden Ökosystem. Die Erntekörbe werden an Land gebracht und die Algen zur Kontrolle und zum Abtropfen auf ein Sieb gelegt (s. Titelbild).

Der Transport:
Bei der Auswahl des Ernteortes haben wir Wert auf Regionalität gelegt. Obwohl wir das im weitesten Sinne erreicht haben, ist ein Transport ins 350 km entfernte Kiel mit einem Diesel-PKW samt Anhänger nötig. Hier streben wir eine nähere Location, z.B. in der Flensburger Förde, und den Transport mit einem mit Ökostrom betriebenen E-Auto an.

Langfristig und fair wirtschaften

Die Ernte und Verarbeitung von Algen ist in Europa noch nicht weit verbreitet, obwohl es regional (Bretagne, Irland) eine lange Tradition der Algennutzung gibt, zumindest als Futter oder Bodenverbesserer. Die Infrastruktur für eine nachhaltige Kultivierung und Ernte befindet sich zur Zeit noch im Aufbau. Doch immer mehr, vor allem junge Unternehmer wagen den Schritt in die Selbständigkeit auf Basis von Algenanbau und -verarbeitung, weil es kaum eine nachhaltigere Nutzung der Meere gibt. Deshalb unterstützen sich die Unternehmen in diesem Sektor häufig gegenseitig, um eine stabile und wirtschaftliche Wertschöpfung der Algen langfristig zu etablieren.

Die Verarbeitung: Algenextrakt und Nahrungsergänzungsmittel

Bereits zwei Produkte hat oceanBASIS aus dem ökologisch zertifizierten Fucus von der Begtrup Vig entwickelt und auf den Markt gebracht: ein Extrakt als Wirkstoff für die Hautpflege („Fucocrude“) und ein Nahrungsergänzungsmittel für eine gesunde Haut („my Bodyguard“).

Die Zukunft ist rosa und Alge

Das Potenzial für weitere Produkte ist groß, denn der Blasentang hat es in sich: Die enthaltenen Wirkstoffe wirken anti-entzündlich, immuno-modulatorisch und anti-tumoral.

Eine aktuelle Voruntersuchung zu einem Entwicklungsprojekt, in dem oceanBASIS gemeinsam mit der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH, Kiel), der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien e.V. (GMBU, Dresden) und aquaMarine innovation, einem befreundeten Kieler Unternehmen, ein mit Algenextrakt behandeltes Textil für Neurodermitiker entwickelt, hat hoffnungsvolle Ergebnisse gebracht.

Es gibt außerdem erste Daten aus einer Zusammenarbeit von oceanBASIS mit der Augenklinik des UKSH, dass Fucoidan, ein spezieller Zucker aus F. vesiculosus, möglicherweise der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) vorbeugen kann.

 

Bildnachweis:
Titel und Ernte (Bild 3): oceanBASIS GmbH, Levent Piker
Blasentang und Unterwasserfoto: Nikolas Linke

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