Glykation – die Verzuckerung der Haut
Relativ unbekannt ist der direkte Einfluss von Nahrungszuckern auf die Haut: die Glykation. Bei diesem chemischen Prozess lagern sich Zucker an die strukturgebenden Kollagen- und Elastinfasern und führen zu deren Abbau. Wir zeigen in diesem Artikel, welche Maßnahmen gegen die Verzuckerung helfen.
Dass eine zucker- und fetthaltige Ernährung Akne und andere entzündliche Hautsymptome fördert, haben wir bereits im → Artikel “Die Haut ist ein Spiegelbild des Darms” beschrieben. Wie auch andere Lebensmittel auf die Haut einwirken können, beschreiben wir im → Artikel “Hautunreinheiten aus Sicht der TCM”.
Inhaltsverzeichnis
Ursachen der Verzuckerung
Insbesondere die Kohlenhydrate in der Nahrung können der Gesundheit und der Haut ernsthaft schaden. In der modernen, schnelllebigen Fast-Food-Gesellschaft bestehen viele Nahrungsmittel hauptsächlich aus den Komponenten Fett, Salz und Zucker (→ Artikel „FeSaZus als neue Droge“). Kohlenhydrate wie Mehl und deren Bausteine, die Zucker, liefern zwar schnell Energie, diese ist jedoch nicht sehr anhaltend.
Die im Mund (Speichel) und Darm (Bauchspeichel) aufgespaltenen Kohlenhydrate gelangen ins Blut und müssen durch das in den Langerhans-Zellen der Bauchspeicheldrüse aufgeschüttete Hormon Insulin in die Körperzellen aufgenommen werden.
Bei Diabetes verbleiben die Zucker lange im Blut und entziehen durch den osmotischen Effekt (→ Artikel „Der Feuchtigkeitshaushalt der Haut“) den Körperzellen das notwendige Wasser. Der Körper wird dadurch stark dehydriert, sodass Organe nicht optimal versorgt werden können, da der Nährstofffluss in die Zelle nur reduziert funktioniert. Dies äußert sich auch sichtbar an der Haut: Durch den Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen (→ Artikel „Spurenelemente für eine schöne Haut“) lässt die Elastizität nach und die Haut wird fahl. In Folge der Glykierung von Myelin der Nerven (Neuronen) werden sog. Neuropathien gefördert, wie sie bei Diabetes und Alzheimer auftreten.
Ein weiterer negativer Effekt hohen Zuckerkonsums ist die Glykation, also die “Verzuckerung” der Gewebefasern der Haut. Insbesondere Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose) reagieren chemisch mit Eiweißen (Proteinen), Fetten und Nukleinsäuren (DNA) im Körper. Wir kennen diesen Vorgang von der Karamellisierung. Es entstehen sogenannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts), die sich an die Kollagen- und Elastinfasern der Unterhaut (→ Artikel “8 Fragen und Antworten zu Kollagen”) heften und diese verkleben. Die Haut wird in der Folge schlaff (sog. “Sagging”) und die tiefe Faltenbildung wird beschleunigt. Diese chemischen Reaktionen (”Maillard-Reaktion”) passieren ohne Beteiligung von Enzymen und können daher nicht reguliert werden. Eine gezielte Anlagerung von Zuckern durch Enzyme wird “Glykosylierung” genannt. AGEs können mehrere Jahre im Gewebe verbleiben und daher dauerhaft schädigen.
Zucker ist nicht gleich Zucker: Somit sind die speziellen Algenzucker nicht an der Glykation beteiligt und können ihr sogar entgegenwirken (→ Artikel “Der Algenzucker Fucoidan”). Ein aktuelles wissenschaftliches Paper (s.u.) fasst die positiven Wirkungen von Algenzuckern auf die Haut zusammen.
AGEs entstehen auch bei der Zubereitung von Speisen: Essen wir gebratene, gegrillte oder gebackene Lebensmittel, nehmen wir diese “karamellisierten” Endprodukte direkt zu uns. Sie sind in der braunen Kruste enthalten, die beim Erhitzen der Nahrungsmittel über 120°C entsteht.
Innere Faktoren der Hautalterung
Bei der Hautalterung gibt es zwei hauptsächliche Faktoren, die die Hautstruktur nachhaltig negativ beeinflussen:
Die Quervernetzung der langlebigen Kollagene und Elastinfasern wird durch UV-Licht und oxidativen Stress durch freie Radikale zerstört (→ Artikel Antioxidantien). Dadurch verformen sich die Fasern und die Elastizität nimmt ab, so dass dauerhaft Falten entstehen.
Durch die Verzuckerung der Faserproteine verlieren diese ihre biologische Funktion und lösen eine Reihe von Signalwegen (Genexpression) aus. Die AGEs binden an sog. AGE-Rezeptoren (RAGE) und lösen damit Entzündungen und oxidativen Stress aus.
Die schwelenden Entzündungsprozesse werden durch einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren und einen Überschuss an Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung gefördert (→ Artikel “Die Haut ist ein Spiegelbild des Darms”). Sie führen zu einer schlechten Wundheilung und verstärken damit auch die Hautkrankheiten Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis (Atopische Dermatitis). → Artikel “Neurodermitis – Krankheit oder Chance?”
Durch Bindung von AGEs an deren Rezeptoren werden auch Matrix-Metalloproteinasen (MMPs; es gibt 23 verschiedene im Menschen) in der Haut aktiviert. Diese spalten die Strukturproteine Kollagen und Elastin sowie die Verbindungen zwischen den Zellen auf, so dass das Gewebe geschädigt wird, seine Struktur verliert und Krankheitserreger eindringen können, was weitere Entzündungsreaktionen nach sich zieht.
Nachweis der AGE im Körper
Es gibt zwei Parameter, die labortechnisch im Blut gemessen werden können:
- Diabetiker kennen den Langzeitzucker-Wert HbA1c, welcher indirekt Auskunft über den Blutzuckerspiegel der letzten Wochen gibt. Hierdurch lässt sich auf die AGE-Bildung schließen.
- Der direkte Nachweis von AGE im Blut hat den Vorteil, dass auch die durch die Nahrung aufgenommenen Glykationsprodukte mit erfasst werden. Zudem erfasst der AGE-Test (ELISA) nicht nur die durch Glukose, sondern auch durch Fruktose und Galaktose veränderten Struktureiweiße.
Es gibt auch eine opto-elektronische Methode, um AGEs direkt in der Haut zu messen: Der AGE Reader aus den Niederlanden ist ein nicht-invasives Auswertungsgerät zur Messung der Gewebeanreicherung von AGEs in der Haut des Unterarms mittels Autofluoreszenz.
Maßnahmen zur Reduzierung der Glykation
1. Bei der Wahl der Nahrungsmittel sollte auf einen niedrigen Glykämischen Index geachtet werden. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse enthalten ein ausgewogenes Verhältnis an Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen und Begleitstoffen, die die Verdauung erleichtern. Einige natürliche Stoffe wie Zimt, Chromhefe und Algen unterstützen bei der Blutzuckerregulierung.
2. Da die Glykation im Körper Entzündungsreaktionen fördert, sollten ausreichend Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E aufgenommen werden. Die Gruppe der Carotinoide, zu welcher Lutein, Astaxanthin, Zeaxanthin, Fucoxanthin und andere gehören, ist in der Lage, sich in der Haut einzulagern, um dort direkt vor oxidativem Stress zu schützen. Diese Carotinoide sind in unserem Produkt “my Skin Shield” enthalten.
3. Grundsätzlich empfiehlt es sich, viel mineralarmes Wasser zu trinken. Wasser ohne Mineralien wirkt osmotisch und füllt die ausgetrockneten Zellen wieder auf. Zudem hilft es, als Transportmittel überschüssige Stoffwechselprodukte, Entzündungsmediatoren und überzählige Zucker über die Nieren auszuscheiden. (→ Artikel „Die Haut ist ein Ausscheidungsorgan“)
4. Zuviel Sonnenlicht bei unzureichendem Eigenschutz der Haut durch Melanin (→ Artikel “Melanin – der braune Hautschutzschild”) fördert die chemische Glykationsreaktion. Daher sollten besonders beim Sonnenbaden zuckerreiche Picknicks unterbleiben.
5. Gegen überschüssige Zucker im Körper und zur Beseitigung von Entzündungen ist Heilfasten im Frühjahr die beste Möglichkeit. Wer das Fasten nicht gut durchhält, kann es mit dem “intermittierendem Fasten” ausprobieren. Dabei wird an 16 Stunden des Tages (z.B. 20 bis 12 Uhr) nichts gegessen. In dieser Zeit haben die Zellen die Möglichkeit, den Stoffwechsel aufzuräumen und überschüssige Zucker in Energie umzuwandeln. Wie Bitterstoffe dabei helfen, die Lust auf Zucker zu verringern, erfährst Du im → Artikel “Bitterstoffe für Leber und Haut”.
6. Diese sekundären Pflanzenstoffe helfen dabei, die Bildung von AGEs zu reduzieren und vorhandene AGEs abzubauen:
- Vitamine B1 (Thiamin) und B6 (als Pyridoxal-5-phosphat)
- L-Carnosin (Dipeptid aus den Aminosäuren Alanin und Histidin)
- Braunalgen für die Küche (z. B. Meeresgarten)
- Naturkosmetik mit Braunalgenextrakt (z. B. Oceanwell)
- Mate-Tee aus Blättern und Früchten von Ilex paraguariensis
- Extrakte aus Grüntee (Catechine), Granatapfel (Polyphenole), Blaubeeren (Anthocyane), Bockshornklee, Calendula, Kamille und Astragalus
- Gewürze und Kräuter (z.B. Ingwer, Kurkuma, Rosmarin, Majoran, Zimt)
Professor Wei Zhang von der Flinders Universität für Medizin und Öffentliche Gesundheit in Süd-Australien hat herausgefunden, dass Extrakte aus Braunalgen nicht nur das Kollagenwachstum stimulieren, sondern auch den Prozess der Glykation hemmen, der zum Abbau von Kollagen und Elastin führt. Eine weitere Studie aus Korea bestätigt die Hemmung der Verbindung von AGE mit deren Rezeptor durch Braunalgen.
„Algen sind eine großartige Quelle für zahlreiche bioaktive Inhaltsstoffe mit potenziellen Anwendungen in natürlichen Gesundheits- und Hautpflegeprodukten. Unsere Entdeckung ist wirklich aufregend, da wir das Potenzial sehen, stärkere Anti-Glykationsextrakte aus braunen Meeresalgen zu entwickeln.“
Prof. Zhang
weiterführende Literatur:
Cho et al., “Evaluation of the relationship between bioactive components in seaweeds and advanced glycation end-products inhibitory activities using principal component analysis.”, Plant Foods Hum Nutr. (2021) 76:326–33.
Cho et al., “Dieckol, Derived from the Edible Brown Algae Ecklonia cava, Attenuates Methylglyoxal-Associated Diabetic Nephropathy by Suppressing AGE–RAGE Interaction”, Antioxidants 2023, 12(3), 593.
Zhang et al., “Anti-skin glycation and collagen level stimulation of brown seaweed extracts and their compositional characteristics”, Algal Research Vol. 75, Sept. 2023, 103257.
Chen et al., “Advanced Glycation End Products in the Skin: Molecular Mechanisms, Methods of Measurement, and Inhibitory Pathways.”, Front Med (Lausanne). 2022 May 11:9:837222.
Cogoi et al., “Inhibition of Glycation End Products Formation and Antioxidant Activities of Ilex paraguariensis: comparative study of fruit and leaves extracts”, J Pharmacopuncture. 2023 Dec 31; 26(4): 338–347.
Yuan et al., „A review: Structure, bioactivity and potential application of algal polysaccharides in skin aging care and therapy“, Int J Biol Macromol. 2024 Jun 2;272(Pt 1):132846.
Sung-Jung et al., „Correlation between antioxidant capacity and advanced glycation endproducts inhibition in enzyme-treated polysaccharides from Sargassum fusiforme“, Food Sci Biotechnol. 2025 Apr 4;34(11):2591-2600.
Bildnachweise:
Titelbild: Nika Akin auf Pixabay.com
Gesichtsfalten: Shvets Production auf Pexels.com




Foto: oceanBASIS GmbH




oceanBASIS GmbH, Marion Zenthoefer
iStock, mheim3011
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!