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Gesellschaft, Wissen

Was bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie für die Mitarbeiter?

Inhaltsverzeichnis

  • Arbeiten am Tiessenkai
  • Freie Einteilung der Arbeit
  • Ein Gehaltsmodell für alle Mitarbeiter
  • Impulse für ökologisches Verhalten
  • Mitentscheidung

Arbeiten am Tiessenkai

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) stellt soziale und ökologische Aspekte in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns. Unternehmen sollen ihre Gewinne auch dazu nutzen, etwas zur Verbesserung der Gesellschaft beizutragen. Warum die GWÖ-Idee zu unserem Unternehmen passt, hat Christian im Interview erklärt. Anna erzählte zudem von ihren persönlichen Eindrücken rund ums Thema GWÖ, besonders mit Blick auf die Produktionssteuerung und Lieferketten. Aber was bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie eigentlich für die Mitarbeiter?

Bei einer GWÖ-Bilanzierung sind Sinnstiftung, Lohngerechtigkeit und Mitbestimmung zentrale Aspekte. Während der Erstellung des GWÖ-Berichts für oceanBASIS und ihre Schwesterfirma Coastal Research & Management (CRM) haben wir der Frage, wie sich die Menschen im Unternehmen fühlen, besonders viel Zeit gewidmet. Dabei wurde schnell klar, dass eine Arbeitsgruppe nicht für alle sprechen kann. Ein Fragebogen wurde eigens entworfen und von 30 der 31 befragten Personen anonymisiert beantwortet.

Arbeitszeit ist Lebenszeit – und sollte daher so erfüllend wie möglich sein. Dieser Gedanke prägt die Unternehmenskultur unserer Firma ganz entscheidend. Mitarbeiter sind Menschen, die sich mithilfe ihrer Aufgaben persönlich entfalten sollen und deren Bedürfnisse so gut wie möglich berücksichtigt werden, z. B. wenn die Betreuung von Kindern oder Kranken flexible Arbeitszeiten erfordert. Freiheit, Nachhaltigkeit, Kreativität sowie Verantwortung für Mensch und Umwelt sind die Grundwerte, an denen sich das Miteinander orientiert.

Freie Einteilung der Arbeit

Konkret gaben alle Befragten an, in Absprache mit den Teamkollegen ihre Arbeitszeit selbst zu organisieren und finden, dass Mitarbeiter mit Familien unterstützt werden. Die Arbeitszeiten werden von der Geschäftsführung weder kontrolliert noch zentral erfasst. Hier zeigt sich ein großes gegenseitiges Vertrauen, denn wer zeitlich flexibel und oftmals auch mobil arbeitet („Home Office“), muss eine hohe Eigenmotivation mitbringen – und gleichzeitig eigenverantwortlich auf sich aufpassen, sollte die Arbeitsbelastung einmal zu hoch werden. Dabei ergab die Befragung, dass eine deutliche Mehrheit (93 %) mit den gegebenen Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu organisieren, überwiegend oder ganz zufrieden ist.

Bei einer Vollzeitstelle beträgt die Arbeitszeit 40 Stunden, wobei unterschiedliche Arbeitszeitmodelle bis zu einer 10 %-Stelle möglich sind. Die Arbeitsverträge sind unbefristet, mit Ausnahme von Verträgen, welche an geförderte Projekte gebunden sind.

Ein Gehaltsmodell für alle Mitarbeiter

Der Verdienst ist bei oceanBASIS und CRM durch ein Gehaltsmodell für alle einheitlich geregelt. Es gibt einen Mindestverdienst, auf den Zuschläge für die Qualifikation des Mitarbeiters, die Betriebszugehörigkeit und den Aufgaben- und Verantwortungsbereich hinzugerechnet werden. Es werden keine individuellen Boni ausgezahlt, und die Spreizung zwischen niedrigstem und höchstem Gehalt bezogen auf eine Vollzeitstelle beträgt 2,2.

Der durchschnittliche Verdienst liegt im Bereich des branchenüblichen und lebenswürdigen Verdienstes in der Region Kiel. Dennoch würde sich gut die Hälfte der Mitarbeiter im Vergleich zum jetzigen Gehalt gerne mehr auszahlen (lassen). Üblicherweise passt die Geschäftsführung das Modell durch einen Inflationsausgleich jährlich an. Hinzu kommen Gehaltserhöhungen und Weihnachtsgeld, wenn die finanzielle Lage es zulässt. Diese kommen allen Mitarbeitern zugute.

Wer sich dafür entscheidet, bei oceanBASIS/CRM zu arbeiten, tut dies aus mehreren Gründen – u. a. dem kreativen, selbstbestimmten Arbeiten und dem fairen Miteinander. Die schwierige Zeit der Corona-Lockdowns wurde, nachdem das Unternehmen in 2019 stark gewachsen ist, im Team geschultert: Obwohl sich mehrere Mitarbeiter noch in der Probezeit befanden, wurde niemand entlassen, sondern die Krise durch vorübergehende Kurzarbeit gemeinsam gemeistert. So empfindet dann auch die Mehrheit der Mitarbeiter die Arbeitszeit als ganz (60 %) oder überwiegend (23 %) befriedigenden und sinnstiftenden Teil ihres Lebens.

Impulse für ökologisches Verhalten

Mit dem Motto „Für Mensch und Meer“ und den vielen meeresbiologischen Tätigkeitsfeldern sind oceanBASIS/CRM schon von ihrer Zielsetzung her ökologisch-nachhaltig ausgerichtete Unternehmen, jedoch ohne dabei irgendwelchen Dogmen anzuhängen. Alle Mitarbeiter teilen dieses Leitbild, oder es war sogar einer der Gründe für die Wahl des Arbeitsplatzes. So bringen einzelne Mitarbeiter immer wieder Verbesserungsvorschläge und Initiativen zu ökologischen Ideen ein, die von der Geschäftsführung in der Regel unterstützt und umgesetzt werden (Beispiel Wiederverwendung von Kaffeesieben, biologisch abbaubare Reinigungsmittel).

Bei der Ernährung legen 67 % der Befragten Wert auf regional erzeugte Lebensmittel, die vom Unternehmen am Arbeitsplatz bereitgestellt werden. 73 % der Mitarbeiter erhalten sogar im Unternehmen Impulse für ökologisches Verhalten, die sie auch im Privatbereich anregen.

Teamfoto mit E-Fahrzeugen: Eine finanzielle Förderung durch das Unternehmen hat viele Mitarbeiter dazu motiviert, für den Weg zur Arbeit aufs E-Bike (bzw. E-Roller/E-Auto) umzusteigen.

Mitentscheidung

Bei oceanBASIS/CRM gibt es eine Geschäftsführung, aber kein klassisches Führungskräftekonzept. Verantwortlichkeiten werden oftmals je nach Projekt entsprechend dem Wollen, Können, der Erfahrung und Akzeptanz jedes Einzelnen festgelegt.

Unsere Annahme bei der GWÖ-Bilanzierung: Außer bei sehr langfristigen strategischen Entscheidungen werden die Mitarbeiter in Firmenentscheidungen stets einbezogen. Ob die Betroffenen dies genauso empfinden, sollte die Befragung ermitteln. Die Grafik zeigt, dass alle das Bedürfnis haben bei Entscheidungen, die ihren Arbeitsbereich betreffen, mit einbezogen zu werden. Dabei haben 84 % der Befragten das Gefühl, dass dies auch stattfindet, 6 % nicht. Die Mehrheit der Mitarbeiter wünscht sich, auch bei Firmenentscheidungen mit einbezogen zu werden: 77 % der Befragten stimmen dieser Aussage zu, 7 % nicht. 26 % finden, dass sie bei Firmenentscheidungen diese Möglichkeit nicht haben.

Mitentscheidung im Unternehmen. Die zu 100 % fehlenden Zahlenwerte sind Enthaltungen.

Nach sechs Monaten Workshops und intensivem Austausch zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie konnten wir einen Bericht zur GWÖ-Bilanzierung erstellen, der sich aktuell in der Auswertung befindet. Dieser bietet verschiedene Ansatzpunkte für einen längerfristigen Prozess. So wollen wir künftig nach Möglichkeiten suchen, Mitarbeiter auch bei strategischen Firmenentscheidungen stärker mit einzubeziehen. Offen ist auch die Frage, ob es künftig eine andere Organisationsform für das Unternehmen geben könnte. Denn 50 % der Mitarbeiter gaben bei der Befragung an, dass sie sich vorstellen können, am unternehmerischen Risiko teilzuhaben, nur 17 % stimmten der Aussage nicht zu.

Bildnachweis:
Titelbild: Oceanwell, Loreen Fischer. Das Foto zeigt den Tiessenkai in Kiel-Holtenau, hinten links befindet sich der Firmensitz von oceanBASIS und CRM.
Teamfoto: oceanBASIS

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Miriam Berwanger

Mein Name ist Miriam Berwanger, und ich bin bei oceanBASIS im Bereich Kommunikation und Marketing tätig. Beruflich gilt meine Leidenschaft dem Texten, privat liebe ich das Meer. Ich bin glücklich beides verbinden zu können, denn ich schreibe über wissenschaftliche Zusammenhänge sowie die Menschen hinter der Marke Oceanwell. Nach Feierabend entspanne ich beim Segeln oder einem Spaziergang am Strand…

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29. August 2021/0 Kommentare/von Miriam Berwanger
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https://www.oceanblog.de/wp-content/uploads/2021/08/Tiessenkai.jpeg 1535 2300 Miriam Berwanger https://www.oceanblog.de/wp-content/uploads/2023/11/oceanBLOG_Logo_web.svg Miriam Berwanger2021-08-29 05:30:332021-08-29 05:30:33Was bedeutet Gemeinwohl-Ökonomie für die Mitarbeiter?
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